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Special-Review: Might & Magic Heroes VI (PC)

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Wenn Engel einen Krieg beginnen, muss die Situation ernst sein: In »Might & Magic Heroes VI« wollen sie sich an den Gesichtlosen, ihren Erzfeinden, rächen. Ihr Anführer, ein totgesagter General, schmiedet dafür einen erbarmungslosen Plan, als deren Ziel Macht und der Tod seiner Feinde und der Dämonen steht. Allerdings rechnet er nicht mit der Entschlossenheit, die die Anhänger der Greifenherz-Dynastie in ihrem Leibe tragen.

Wer war nochmal wer?



Wer kennt es nicht: Neue Leute stellen sich vor und nach wenigen Sekunden ist ihr Name dem Gedächtnis wieder entflohen. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus dem raschen Fortlauf der Situation heraus. In »Might & Magic Heroes VI« verhält es sich gelegentlich ähnlich: Manchmal scheint es eine regelrechte Flut neuer Figuren zu geben, die schneller erscheinen und verschwinden, als dass man sie sich merken könnte. Schlimm ist das zum Glück zunächst nicht, denn das rundenbasierte Strategiespiel zieht euch trotzdem sogleich ins Getümmel. Mit einer überschaubaren, aber wachsenden Anzahl an Kämpfern durchquert ihr die recht große Weltkarte und stellt euch ersten Kämpfen gegen unter anderem Dämonen und Wölfe, wobei der heroische Protagonist selbst nur bedingt eingreifen kann. An forderster Front stehen seine Soldatinnen und Soldaten, die mit Pfeilen, Schwertern oder Zaubersprüchen im separisierten Schauplatz gegen verfeindete Einheiten vorgehen können; letzteres kann der Held pro Runde ebenfalls ein Mal, außerdem kann er seine spezifischen Fähigkeiten einsetzen. Die hängen von der Fraktion ab, für die ihr euch zu Spielbeginn entschieden habt. Zur Auswahl stehen insgesamt fünf, die sich in ihren Inhalten (darunter Untote, Skelette, Dämonen, Schlangen, Menschen, Ritter ...) unterscheiden. Ähnlich Umfangreich ist die Handlung und ihre Inszenierung. Neben dem Prolog, der als Tutorial dient und eine gelungene Einführung in die Story darstellt, dürft ihr euch über fünf Kampagnen und zwei Epiloge freuen - ein Umfang, der in enormer Spielzeit mündet, technisch und grafisch jedoch nicht immer überzeugen kann.

Dass »Might & Magic Heroes VI« mit einigen Bugs zu kämpfen hat, ist schon zu dem Zeitpunkt offensichtlich, als der erste 600 MB große Patch direkt nach der Installation heruntergeladen und installiert werden will. Immerhin werden dank ihm einige der gröbsten Fehler behoben, z.B. wurde der Versuch, eine Stadt innerhalb des Spieles zu betreten, bei manchen mit einem Absturz belohnt. Mit kleineren Patzern muss man danach trotzdem noch leben, bspw. flackert der Mauszeiger und der Schwierigkeitsgrad schwankt merklich. Mancherlei Fehler lässt sich nur schwer nachvollziehen. Weshalb es Probleme mit der ausgesprochen schlichten Stadtansicht gibt bzw. gab ist einer von ihnen: Im Grunde bekommen wir nämlich keine florierende City zu stehen, sondern eine äußerst schlichte, tabellarische Ansicht mit einer Auflistung der Dinge, die zu finden sind und die wir anwenden können. Genügend Rohstoffe, die wir unterwegs einsammeln können, und Geld vorausgesetzt, können wir in den Städten - die wir vorher einnehmen müssen - Kassernen bauen, um weitere Kämpfer ausbilden oder anheuern zu können. Die Idee, solche Orte als Kern für die Vorbereitung und den Ausbau unserer Armee zu nutzen, ist sicherlich nicht neu, gefällt aber wesentlich besser als die Umsetzung. Generell wirkt »Might & Magic Heroes VI« optisch an vielen Stellen unausgereift und wenig ausbalanciert.

Zahlreiche Dialoge finden in mageren Kästchen statt, an deren Seite das Avatar des jeweils sprechenden erscheint, damit wir wissen, wer da überhaupt labert. Die Handlung selbst wird hingegen in schönen Videosequenzen abgehandelt, die bei genauerem Hinsehen Schwächen bei den Texturen und der Mimik der Figuren aufweisen, wohingegen kleinere Hinweise als Texttafeln erscheinen, die aufgrund ihrer Anzahl vor allem zu Beginn des Tutorials eher verwirrend und überladen wirken. Glücklicherweise ist das jedoch kein Dauerzustand, so dass man sich irgendwann mit der vom Spiel geforderten Taktik befassen kann. So einfach ist das Kämpfen nämlich nicht: Das Schlachtfeld wird von demjenigen als Sieger verlassen, der seine Waffen und Fähigkeiten korrekt und in der korrekten Reihenfolge einzusetzen weiß - und das geschieht immer situativ. Manchmal hilft es, wenn man durch Zauberei heilen kann, manchmal kann man nicht mehr tun als angreifen und manchmal hat man all das und verliert trotzdem, weil eine Kleinigkeit übersehen wurde. Das Mitdenken ist fordernd, macht Spaß und ist sicherlich einer der Hauptgründe, weshalb »Might & Magic Heroes VI« trotz seiner technischen Nachteile gefällt.

Fazit:
Trotz seiner Unübersichtlichkeit und Bugs ist »Might & Magic Heroes VI« im Großen und Ganzen das, was das Herz eines rundenbasierten Strategiespielers höher schlagen lässt. Die Geschichte ist gut durchdacht und solide erzählt, der spielerische Anspruch hoch und so ist der Spielspaß. Alles in einem: Eine nicht runde, aber ovale Sache.

Wertung: 8,2/10

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