Special-Review: Battlefield 3 (Xbox 360/PS3/PC)

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Alles, wobei man sich nicht erwischen lässt, ist erlaubt. Dass Sergeant Blackburne von zwei Bundesagenten verhört wird spricht dafür, dass er oder jemand seiner Kameraden etwas angestellt haben muss. Im Krieg. In Iran, Aserbaidschan oder Frankreich vielleicht, sicher mit schwerer Ausrüstung, mit der Waffe in der Hand und dem Entschluss, zu töten, wer getötet werden muss, des eigenen Überlebenswillens wegen. »Battlefield 3« ist kein ironisches, sarkastisches und zynisches »Bad Company«, es ist ein sich selbst ernst nehmender Shooter, der mehr als seinen Humor verloren hat.

Ein anderes Gefühl



»Bad Company« konnte als seperater, spaßbezogener Titel verstanden werden, der zwar den Kriegsschauplatz mit dem klassischen »Battlefield« gemeinsam hatte, seiner Sache jedoch humorvoller und selbstironischer entgegnete. Als Teil einer im zivilen Leben verlorenen Truppe durfte man in das Gefecht ziehen, sich Anekdoten und Anspielungen anhören und sich gegenseitig auf die Schippe nehmen. DICE, das Team, aus dessen Schmiede die BF-Reihe stammt, macht bereits zu Beginn des neuen Shooters klar, dass Pointen keinen Platz haben. Wir befinden uns in einem scheinbar ins Nirgendwo rasenden Zug, dessen Wände vom Blut der Passagiere beschmiert sind und dessen Flure von Terroristen beherrscht werden. Unsere Pistole richtet sich gegen die schwerbewaffneten Kontrahenten, die keine Gefangenen machen, die ohne Vorwarnung schießen und meist treffen. Scheiben zerbersten, Schreie durchdringen die Luft, sobald ihre Körper durch unsere Treffer zusammensacken. Der Einstieg ist fulminant, packend, gelungen, keine Frage, doch sobald wir von den ersten gescripteten Ereignissen überrant und zur möglichst schnellen Interaktion aufgefordert werden, merken wir: Hier stimmt etwas nicht. Ein Blick auf das Cover: Ist das wirklich »Battlefield 3«? Ja! Ja, das ist es, aber es fühlt sich anders an als bisher. Es fühlt sich an wie... wie... wie ein frischer »Call Of Duty«-Ableger.

Obschon mancherlei Szenarien von COD fragwürdig waren, konnte man der Inszenierung des Ego-Shooters kaum etwas vorwerfen. Die Handlungen waren sicherlich nie einem Genie entsprungen, doch die Art und Weise, den Spieler in sie hineinzuversetzen, waren bis dato beispiellos. »Battlefield«, insbesondere »Bad Company« war anders. Die Gewaltdarstellung war nicht so explizit wie im Konkurrenztitel aus dem Hause Activion, Patriotismus gab es im Grunde nicht, man war und fühlte sich als Soldat, nicht als Held, der Protagonist war nicht unbedingt aus freiem Willen beim Militär und so gab es nicht nur Raum für Pointen, es gab ihn auch für Fehler, den die Charakter begingen und die sie als virtuelle Menschen ausmachten. Jetzt verlassen wir den Zug und landen in einem Verhörraum, bevor es nach Iran geht, hinter die feindlichen Linien, die allzu sehr an »Modern Warfare« erinnern: Panzer sind auf den Straßen, die wir durchqueren, der Himmel ist ein wenig gräulich, rechts wird ein Mann von einem Kameraden verhaftet und es dauert nicht lange, bis uns die ersten Gewehrkugeln um die Ohren fliegen. Für lockere Gespräche bleibt da freilich keine Sekunde und so sind wir über weite Strecken gewissermaßen Teil einer Einheit, die wir kaum kennen. Leider spielen Verwundungen unserer Kameraden so keine Rolle, es ist auch nicht weiter tragisch, wenn einer von ihnen in der Folge zu sterben droht. Wer sind sie überhaupt?

Echte Herausforderung



Es kommt auch vor, dass Blackburne verletzt auf den Boden aufschlägt und wir die Meldung über das Scheitern der Mission erhalten, weil er gestorben ist. Besonders häufig geschieht das, sobald Scharfschützen ins Spiel kommen - die werden nämlich nicht nur ihrer Bezeichnung gerecht, sie sind gemäß ihrer Natur zudem verflucht gut versteckt und schießen ohne Vorwarnung. Es knallt kurz - und schon sehen wir ein Loch in der Wand wenige Meter neben uns. Da hilft nur eines: Deckung suchen oder sich hinlegen, um keine laufende Zielscheibe zu sein. Solche Momente, in denen man einen unsichtbaren Feind bekämpft, sind mitunter die intensivsten in »Battlefield 3«. Nicht minder gefährlich ist der offene Kampf, wobei sich hier der berüchtigte Gegner-Respawn einen Namen macht. Zwar übertreibt es DICE damit nicht, dennoch ist auffallend, dass immer wieder kleine Gegnergrüppchen quasi aus dem Nichts auftauchen und anfangen, um sich zu schießen. Deshalb ist der Shooter bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad recht herausfordernd, vor allem, da sich auf gegnerischer Seite nur selten KI-Ausfälle bemerkbar machen. Ein wenig, jedoch nicht eklatant größere Intelligenzprobleme haben die eigenen Kameraden, die einen gelegentlich aus der Deckungsposition schubsen (weil sie selbige selbst einnehmen möchten) oder doof in der Gegend herumstehen.

Weil ein heutiger Shooter spielerisch mehr bieten muss als einen Städtelauf, gibt es in »Battlefield 3« - und da haben wir weitere Parallelen zu »Call Of Duty« - eine recht altbekannte Snipermission, Panzerfahrten sowie eine Fliegermission, die natürlich nicht fehlen darf. Wer sich nun freut, es sich endlich, endlich selbst hinter dem Steuerknüppel des Fliegers bequem machen zu dürfen, muss sich wieder beruhigen: Mehr als der Typ, der im Hinterteil die Waffen bedient, ist hier nicht drin. Solche Spielmissionen scheinen lediglich pflichtgemäß integriert worden zu sein, als haben sich die Jungs und Mädels von DICE gedacht: Was Andere können, können wir schon lange! Und genau da liegt der Hund begraben: Alles, was »Battlefield 3« im Singleplayer präsentiert, haben andere Shooter schon vor Jahren fabriziert - es ist kein Novum, keine Überraschung, keine herausragende kreative Leistung. Grafisch ist das alles großartig aufgebaut (Achtung: Auf der Xbox 360 solltet ihr unbedingt die HD-Texturen installieren, ansonsten ist die Grafikpracht keine solche), ebenso ist die Soundkulisse herausragend. Jedoch ist die Handlung, die mit zunehmendem Fortschritt irgendwie immer hanebüchener wird, keine, über die man noch lange Reden wird. Und zwar aus dem einfachen Grund, als dass sie sich mit ihren stereotypischen Araber- und Russengegnern vom Shooter-Einheitsbrei nicht abhebt, keinen Wiedererkennungswert besitzt und sich deshalb weiterer Worte entbehrt.

Anders sieht es beim Multiplayer aus, der »Battlefield«-getreu erstklassig ausfällt. Neben neun Karten, die sich klimatisch, in der Größe und dem Design unterscheiden, werdet ihr mit allerhand Waffen sowie Fahrzeugen (Panzer, Jeeps,...) ausgestattet und könnt neue Untensilien durch Aufsteigen eures Ranges freischalten. Als Spielmodi stehen euch Squad Deathmatch, Squad Rush, Rush und Team-Deathmatch zur Verfügung, zudem könnt ihr aufgrund der unterschiedlichen Mapgröße entscheiden, ob ihr in eine größere Schlacht ziehen möchtet oder doch lieber im kleineren Rahmen spielt.

Fazit:
Der Grund der Enttäuschung mag in den hohen Erwartungen liegen, die »Battlefield 3« entgegengebracht wurden. Der Shooter bleibt zumindest im Singleplayer durchschnittlich, überraschungs- und ideenarm, unterhält während seiner Spielzeit von mageren 5-6 Stunden dennoch recht gut. Ein schlagendes Kaufargument ist das jedoch mitnichten - DICE hätte sich auf das besinnen sollen, was es kann und ausmacht; und wenn es ein neues »Bad Company« gewesen wäre, wäre es um einiges besser, als ein Dauerdejavu an »Call Of Duty«. Abschließend bleibt die Empfehlung an Multiplayer-Junkies, wer nur den SP zocken möchte, sollte zumindest auf einen Preissturz warten.

Wertung: 7,8/10

Kommentare (4)


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Filmfreak
30.10.11 - 08:34
Das liest sich doch schon einmal recht ordentlich für die Konsolen-Fans. Deine Aussage bestätigt mich weiterhin, warum ich auf solche Games auf dem PC keine Lust mehr habe und wenn ich dann noch die vielen Aussagen anderer PC-Zocker lese, vergeht es mir ordentlich solche Spiele auf dem heimischen PC zu zocken!
Nach den bisherigen Äußerungen würde das Spiel nicht einmal ansatzweise den Weg in mein DVD-Laufwerk finden.

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Jason
30.10.11 - 08:28
ich muss dazu sagen, dass ich nur die xbox 360-fassung habe und die schien auf mich recht ausgewogen. beim pc mag das (wie so oft) noch ein wenig anders aussehen

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Filmfreak
30.10.11 - 08:14
@Jason
Das aktuelle Spiel, hat von Dir eine doch recht hohe Bewertung bekommen, ich dachte es fällt Bei Dir mehr in Ungnade. Hattest Du während dem gamen das Gefühl, dass viele Dinge noch gepatcht werden müssen? Oder wirkt das Game bisher ausgereift für Dich?

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Chev
30.10.11 - 02:48
Nach der aktuellen Diskussion würde ich mir das Spiel für den PC auf keinen Fall kaufen.Gestern war ich bei Amazon drin und was sehe ich in den Bewertungen. 1,5 Sterne bei fast 400 Bewertungen. Na da wollte ich mir doch mal die Kommentare durchlesen...
Danach habe ich beschlossen das ich mir das Spiel auf keinen Fall auf den Rechner installieren werde.
Origin und die Eula liessen da dermaßen Zweifel aufkommen, dabei würde ich mich keinesfalls wohlfühlen.

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