Special-Review: Call Of Duty: Modern Warfare 3 (PC/Xbox 360/PS3)

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Jahr für Jahr werden neue Schlachten ausgetragen, in diesem stehen sich Electronic Arts mit »Battlefield 3« und Activision mit »Call Of Duty: Modern Warfare 3« gegenüber. Ersteres wirkte in vielerlei Hinsicht wie ein durchschnittlicher Abklatsch seines genannten Konkurrenten; ihm fehlte es an Witz und eigener Persönlichkeit. Stellt sich die Frage: Wie schlägt sich das Original?

MW3 oder WW3?!



Sollte der weltweite Kriegszustand das oberste Ziel eines Terroristen sein, so hat ihn der ultranationalistische Makarov erreicht. Im Vorgänger von »Modern Warfare 3« war er der Kopf derjenigen, die in einem Flughafen unzählige Zivilisten töteten und dafür einen eingeschleusten US-Agenten verantwortlich machten. Dass das Auswirkungen zwischen den ohnehin nicht unbedingt brüderlichen Vereinigten Staaten und Russland - seiner Heimat - haben würde, war abzusehen, dass am Ende quasi der ganze Westen in Flammen aufgeht, wohl kaum. Der Grund ist einfach: Makarov versucht, den schwächelnden russischen Präsidenten und Nuklearwaffen in die Hände zu bekommen, um möglichst viel europäisches Terrain für sich zu gewinnen. Sein Größenwahnsinn gleicht seiner Skruppellosigkeit und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Krieg gegen ihn und seine Anhänger bald weltweit geführt werden muss. »Modern Warfare 3« könnte auch »World War 3« heißen, der Dritte Weltkrieg, denn es kracht an jeder Ecke so laut, dass die Frage nach dem Warum an Relevanz verliert. Bald spielt es auch keine Rolle mehr, ob wir als Frost mit unseren alten Weggefährten Captain Price und Soap MacTavish oder als ein Russe namens Yuri in die Schlacht ziehen, weil sich der Titel nicht durch seine Protagonisten oder seine Handlung profiliert. Sondern durch die Inszenierung.

Infinity Ward, das den Titel diesmal gemeinsam mit Team Sledgehammer entwickelt hat, weiß das nur zu genau. Deshalb hält er sich nicht lange mit Storydetails auf, im Grunde lässt sich sagen: Der Spieler führt Kriege dort fort, wo sie Andere begonnen haben und wollen. Und das war tatsächlich noch nie so episch wie in »Modern Warfare 3«! Auch der Vorgänger, der bekanntlich mit einigen Missionen heiße Diskussionen anzettelte, bliebe in einem Vergleich auf der Strecke. Zwar gibt es in MW3 keine Zivilistenermordungsmissionen - zudem wird die Tötung Unschuldiger mit einem Neustart vom letzten Checkpoint getadelt -, dafür ist der weltweite Konflikt, der euch versprochen wird, durchaus wörtlich und in einer Dimension eines Michael Bay, der die Übertreibung übertreibt, zu verstehen. Klar wird das spätestens in dem Moment, in dem ihr in einem kleinen Boot vor der Küste von New York City sitzt, Kriegsschiffe um euch herum in Flammen auf- und untergehen, euch Gewehrkugeln, Bomben und Wrackteile um die Ohren fliegen, es links und rechts brennt und explodiert, es unfassbar laut und fesselnd ist - und ihr irgendwie nicht glaubt, wie ihr da lebend herauskommen sollt. Eine der größten Stärken der »Call Of Duty«-Reihe war es bislang, uns das Gefühl zu geben, mitten im Geschehen zu sein - und das schafft MW3 wie kein Ego-Shooter zuvor.

Quantität statt Qualität



Wem das alles zu hollywoodtastisch ist, findet seinen spielerischen Höhepunkt eventuell eher in relativ ruhigen Abschnitten. Auch diesmal dürft ihr euch als Sniper durch kleinere, aber schwer bewachte und bewaffnete Dörfer schleichen, auf Tauchgang gehen und euch als Bodyguard unter Beweis stellen. Letztlich laufen allerdings auch solche Aufgabenstellungen auf den großen Knall hinaus, wer also einen entspannten Spieleabend verbringen möchte, ist bei MW 3 definitiv an der falschen Adresse. Das trifft ebenso auf all die Taktiker zu, die eine besondere militärische Herausforderung suchen. Nachdenken müsst ihr nämlich an keiner Stelle. Trotzdem gibt es eklatante Unterschiede in der Vorangehensweise, das Maschinengewehr und die Pistole sind nicht eure einzigen Werkzeuge. Gelegentlich dürft ihr mittels eines Senders Raketen auf eure Ziele steuern, stationäre MGs nutzen oder vom Helikopter aus feuern - zugegeben, Innovationen bleiben da aus, doch die altbewährten Elemente machten schlichtweg Spaß. Ähnlich verhält es sich mit den gescripteten Ereignissen, die zu »Call Of Duty« gehören wie die Currysouce zur Currywurst: Ihr sprengt eine Tür, der Zeitlupenmodus setzt ein und ihr müsst binnen Sekunden entscheiden, wer Freund ist und wer Feind, wer eine Kugel abbekommt und wer besser nicht. Oder ihr geht seelenruhig herum, als einer eurer Kameraden angegriffen wird und sich im Nahkampf verteidigt - cool!

Leider gehört zu COD auch eine chronische Minderung der Künstlichen Intelligenz, die in »Modern Warfare 3« nicht ausbleibt. Mancher Kontrahent liebt es, während eines Feuergefechtes mitten durch das Schlachtfeld zu rennen, um sich eine neue Deckung zu suchen, andere bemerken nicht, wenn ihr direkt neben ihnen steht - jedoch können sie alle präzise schießen und sind immer in der Überzahl. Nach 6-7 Stunden sind sie schlussendlich besiegt und wer mag, darf sich in den Multiplayer stürzen. Der wartet mit Deathmatch, Capture the Flag und Domination auf, zusätzlich könnt ihr einige der SP-Missionen unter Zeitdruck durchspielen, um zusätzliche Ausrüstungen und Ränge freizuschalten. Im Modus "Kill Confirmed" sollt ihr eure Gegner nicht nur killen, sondern ihre Marken einsammeln. Zuguterletzt sei gesagt, dass »Modern Warfare 3« grafisch nicht ganz frisch wirkt - was besonders bei näherer Betrachtung mancher Texturen auffällt -, seine Soundkulisse aber phänomenal ist.

Fazit:
Das Entwicklerteam Infinity Ward ist mit »Call Of Duty: Modern Warfare 3« nicht nur bei seinen Leisten geblieben, es hat den Umgang mit ihnen auf den Höhepunkt getrieben. Die Spielzeit von nur ca. 6 Stunden ist zwar nicht sonderlich umfangreich, doch sie ist gefüllt mit Action, Action, Action, wie es sie in keinem Shooter vorher gab: Da wird New York City zum gefühlten neuen Pearl Harbor, da wird alles zum Kriegsschauplatz und das in einem Tempo und einer Intensität, die seinesgleichen suchen. Trotz kleinerer technischer Patzer - wie der ausbaufähigen KI - bleibt nur zu sagen: Hut ab!

Wertung: 8,4/10

Kommentare (9)


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Jason
13.11.11 - 14:23
danke dir!
nein, war der "normale" schwierigkeitsgrad. werde es aber sicherlich noch auf dem höchsten durchzocken

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Chev
13.11.11 - 14:14
Gute Kritik Daniel ! Mir macht MW3 Riesenspaß, auch wenn es wirkt wie ein riesiges Update von MW2 ist es dafür wirklich super geworden.
Der Sound macht richtig Spaß mit einem Headset das die basslastigen Töne auch wiedergeben kann. Ich habe den Singleplayer jetzt zwar erst 3 Std gespielt, aber bin begeistert.
Ich glaube das du den SP allerdings nicht im Söldner/Veteran Modus gespielt hast, oder ?

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Filmfreak
12.11.11 - 09:56
Genau so ist es, Daniel!
Sehe ich überhaupt nicht mehr ein.

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Jason
12.11.11 - 09:46
da ist wieder das problem mit der kurzen spielzeit. da kann ich schon verstehen, wenn man es sich nicht zum einführungspreis kaufen möchte.

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Filmfreak
12.11.11 - 09:38
Will einmal sehen, ob ich mir diesen Shooter gönne, wenn der Preis jedoch dafür deutlich gesunken ist.

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Jason
12.11.11 - 09:34
unbedingt
BF3 kann da unmöglich mithalten. allerhöchstens im MP

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Filmfreak
12.11.11 - 09:27
Was die Intensität bei einem Shooter angeht momentan die Referenz Deiner Meinung nach? :P

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Jason
11.11.11 - 21:22
kann man so sagen
ist einfach - für einen shooter - eine besondere mischung, dass da wirklich ein "dritter weltkrieg" so umfangreich und gekonnt zusammengeschustert wird.

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Filmfreak
11.11.11 - 18:05
Wow!!!
Das ging ja fix mit Deinem Review zu diesem Game, Daniel! :P
Wie ich nach Deinem Review urteile, bist Du von der Intensität des Games angetan, oder?

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