Special-Review: Syndicate (Xbox 360/PS3)

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Argumente braucht, wer keine Waffen hat und Angst vor Widerstand muss haben, wer nicht kontrollieren kann. Im Jahr 2069 gibt es keine Regierungen mehr, keine Politiker die Gesetze verabschieden, nur noch Syndikate, die mithilfe modernster Technik ihre Kunden und gewissermaßen ihr Volk in Schach halten. Der Erdplanet ist in Regionen aufgeteilt, die von Firmen regiert werden. Um Geräte zu bedienen und Teil der digitalen Welt zu werden muss niemand Bedienungsanleitungen und dergleichen studieren – alles, ausnahmslos alles, funktioniert über einen in den menschlichen Körper implantierten Chip. Neben diesem bieten die Syndikate ihren Konsumenten Sicherheiten – eine Ausbildung, eine Unterkunft sowie Versicherungen. Und als Gegenleistung verlangen sie nicht viel. Nur die absolute Macht über den Menschen. Das kann nicht, es muss zur Gewalt führen!

Sci-Fi-Shooter

Nein, wir schlüpfen nicht in die Rolle eines Revoluzzers, der das gewissenlose Verhalten der Syndikate satt hat und einen Umschwung möchte. Stattdessen sind wir Teil des Ganzen, nämlich des Eurocorp-Syndikates, das seinen Einflussbereich wesentlich vergrößern möchte. Diesem Bestreben gehen wir freilich mit Waffengewalt, Manipulation und Hinterhältigkeit nach – schon der Einstieg, während dessen wir aus dem Koma geschlagen werden, sodass von einem Helikopter und schießwütigen Typen flüchten müssen, verrät, wie das, worum es geht, umgesetzt werden soll: In erster Linie actionreich und ohne viel Handlung. Die bleibt über weite Strecken tatsächlich eher belanglos und schießt an der nötigen Dramatik vorbei. Ein wenig mehr Risikobereitschaft zeigt Syndicate in seiner Spielmechanik, ihr dürft euch nämlich mit allerhand modernem Schnickschnack vergnügen, der euch das Leben in der überentwickelten Gesellschaft, in der Menschen ohne Chip-Implantat quasi wertlos sind, deutlich leichter macht. Ein wichtiges Element ist das Hacken. Ihr könnt euch beispielsweise in bewaffnete Flugkörper hacken und sie auf eure Gegner programmieren, habt zudem ein so genanntes DART-System zur Verfügung, mittels ihr durch Wände sehen und somit Feinde entdecken könnt, die euch andernfalls überrascht hätten. Ein bitterböses wenngleich sinnvolles Highlight ist, sich in den Gehirn-Chip eures Kontrahenten zu hacken und selbiges zu manipulieren. So könnt ihr ihn verwirrt aus seinem Versteck locken, was ihn zu einem leichten Ziel macht, oder ihn dazu bringen, sich selbst mit einer Granate zu töten – und seine Kollegen im näheren Umfeld gleich mit. Ewig könnt ihr allerdings nicht so verfahren, denn eure eigene Chip-Energie ist begrenzt und lädt sich nur mühselig wieder auf, indem ihr z.B. Kopfschüsse landet. Dennoch erweist sich das Hacking als nettes Gimmick und verleiht dem ansonsten eher durchschnittlichen Shooter ein zwar kleines, aber dennoch ein i-Tüpfelchen.

Im Großen und Ganzen rennt ihr nichtsdestotrotz durch die futuristischen, klein geschnittenen Abteile und schießt in alle Richtungen, was sich zwar als unterhaltsam herausstellt, aber eben wenig abwechslungsreich. Der taktische Anspruch bezieht sich weitestgehend auf das Hacking bzw. das DART-System, ansonsten dürft ihr euch ducken oder wild aus der Deckung herausschießen. Lediglich gescriptete Ereignisse – ähnlich wie bei CoD – runden das Gameplay ein wenig auf: Euer Kumpane erschießt schon einmal grundlos Zivilisten, ihr werdet Zeugen von Exekutionen und könnt selbst nicht eingreifen. Sicherlich stoßen solche Szenarien an moralische Grenzen, dennoch fügen sie sich hervorragend in die hypermoderne, kalte Gesellschaft ein, in der sich das Leben nicht mehr um Geld zu drehen scheint, sondern um Mikrochips. Apropos Chip: Diese könnt und solltet ihr aus dem Kopf eurer Gegner herausziehen, um ihn selbst zu verwenden. Die blutige Angelegenheit lohnt sich, weil sich dadurch unter anderem eure Hackgeschwindigkeit und eure Widerstandsfähigkeit verbessert. Übrigens: Über die Menschen um euch herum und die Geschichte, in der ihr gerade steckt, erfahrt ihr über ein Textsystem mehr – leider müsst ihr demnach sehr viel lesen, um zu wissen, was gerade abgeht. Und das zu tun ist ein wenig umständlich – besser wären mehr Zwischensequenzen gewesen, die die Story erzählen.

Fazit:
Ausbaufähig: Syndicate funktioniert als Shooter sehr gut und zeigt einige gute Ansätze, die besser ausgebaut hätten werden sollen. Die futuristische Umgebung gefällt, die gemeinen Hacking-Attacken machen Spaß und das Herumballern ist alles in einem kurzweilig. Die Handlung hingegen bleibt auf der Strecke und es gibt summa summarum wenig, das umhaut.

Wertung: 6,6/10

Kommentare (2)


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Filmfreak
10.03.12 - 12:33
Werfe hier für die PS3 eventuell auch einmal einen Blick darauf...

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Fulci1978
10.03.12 - 11:32
Ich erwarte eigentlich doch sehr viel bei diesem Titel. Syndicate Wars war ja gegenüber seinem Vorgänger nicht mehr ganz so berauschend für mich. Das Erste Syndicate wiederum habe ich gespielt bis zum erbrechen. Ich hoffe einfach mal das dieser Titel mir auch gefallen wird...

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