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Special-Review: Max Payne 3 (Multi)

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Beschwerliche Jahre liegen hinter Max Payne, dem Witwer, Ex-Cop, dem Säufer und Schmerzmittelabhängigen. Früher war er auf der Flucht, hat gelebt, geliebt, wurde angeschossen, hat erschossen. Nun ist er nicht mehr als ein zynischer Trinker, der sich von einem Freund überreden lässt, in Brasilien einen Neuanfang zu versuchen. Als Bodyguard soll er reiche Leute schützen. Und zwar, so sagt er, vor verarmten Menschen, die sich ihnen nähern. Ein leichter Job. Jedenfalls wäre er das, würden sie nicht so viele Feinde haben. Und würden jene nicht maskiert und schwerbewaffnet die kleine Feier stürmen, um manchen Gast zu töten sowie andere zu entführen. Max fühlt sich durch den Überfall genötigt, als Arm der Gerechtigkeit zu fungieren.

Immer den Leichen nach



Hübsche Frauen wohin das Auge reicht, reiche Schnösel, bescheuerte Wichtigtuer, die nicht tanzen und wahrscheinlich auch sonst nicht viel können. Ein korrupter Politiker, ein Immobilienheini, der seine Frau als Trophäe sieht, mit ihr ansonsten jedoch nicht viel anzufangen weiß. Das sind die Schützlinge des Max Payne, der melancholisch an seinem Scotch nippt und anmerkt, wie symbolisch der Ausblick von diesem Dach sei, auf dem Neureiche feiern, hinunter auf die ärmsten Viertel Sao Paolos. Dass kurz danach maskierte Männer durch die Tür brechen, schier wahllos auf die Gäste schießen und versuchen, die „wertvollsten“ zu entführen, scheint da gar ein adäquater und herrlich zynischer Ausgleich zu sein. Allerdings dürfen wir dem Treiben nicht tatenlos zusehen, gemäß unseres Auftrages müssen wir die Pistole zücken und retten, wer zu retten ist. Die Blutlachen auf dem Boden mitsamt der dazugehörigen Leichen verraten, wie wenige davon noch übrig sind. Just in dem Moment bemerken wir eine junge Dame, die unter unserem Schutz steht und durch das Gebäude gehetzt wird. Ein Max Payne fackelt freilich nicht lange – und stürzt sich ins Gefecht. Am Ende fliegen wir mit einem Helikopter davon, über dessen Pilot unser Protagonist schimpft und haben im Gepäck die Erkenntnis, dass sich dieser dritte Max Payne irgendwie ein bisschen anders anfühlt als die vorherigen beiden Teile.

Eine große Überraschung ist das natürlich nicht: Stammte MP früher aus der Schmiede des schwedischen Entwicklerstudios Remedy Entertainment, war es nun Rockstar Vancouver, die den Titel produzierte. Grundsätzlich ist das kein schlechtes Omen, ist uns Rockstar doch durch GTA und L.A. Noire bekannt – beides Games, die im Höchstmaß innovativ, unterhaltsam und fesselnd waren. Tatsächlich ist dieser neue Max dem alten in vielerlei Hinsicht nahe oder gar identisch mit ihm. Nach wie vor verfügt er über die berühmt berüchtigte Bullet Time, die einen dramatischen Hechtsprung impliziert, während dem wir gezielter schießen und unsere Gegner über den Jordan schicken dürfen – und all das mit einer eleganten 360 Grad-Drehung. Super! Und nach wie vor ist der Third-Person-Shooter genau das: Ein Shooter. Wir bewegen uns schießend durch verschiedene Schauplätze, lassen uns Kugeln um die Ohren ballern und stellen uns schier unendlichen Gegnermassen. Die beiden Begriffe „Schauplätze“ und „Gegnermassen“ schilden zwei der gravierendsten Mängel: Obwohl sich eine wenigstens halboffene Welt permanent anbietet, in der wir zumindest entscheiden könnten, wie wir vorgehen, wird uns diese Chance nicht gegeben. Warum kann ich beispielsweise nicht die Treppen nach unten nehmen und die Feinde von hinten überraschen, sondern bin gezwungen, einen Sprung vom Balkon zu riskieren und in Zeitlupe zu schießen? Entscheidungsfreiheit gewinnt innerhalb der Videospiele einen immer größeren Stellenwert, den MP3 gnadenlos ignoriert. Stur geht es geradeaus, wobei sich der Weg aus mehreren Gründen leicht finden lässt: Einerseits gibt es einfach keinen anderen. Andererseits führt unser Pfad stetig in die Richtung, aus der die letzten Feinde kamen und nun als Leiche ihr Dasein fristen. Gähn!

Dem Tod von der Schippe springen



Schwierig wird es nicht nur aufgrund der engen Räume und Dächer, in denen wir zu kämpfen haben (und: selbst Fußballstadien wirken durch die Linearität eng) – auch die Gegnerzahl und deren Widerstandsvermögen haben es in sich. Selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad benötigen wir mehrere Schüsse, um unser Gegenüber zu erledigen. Das ist herausfordernd und durchaus besser, als Pappkameraden, die bei einem Knieschuss tot zusammenklappen, allerdings haben wir es häufig mit regelrecht unrealistischen Massen zu tun, die wir bekämpfen müssen. Da hilft uns die Bullet Time sicherlich, mehr als diese sind es jedoch Schmerzmittel, die wir uns bei Gelegenheit reinpfeifen – sofern vorhanden. Medipacks finden wir hier und da, positiv: Sollten wir sie oft benutzen müssen bzw. häufig sterben, erhöht sich ihre Anzahl automatisch. Außerdem verfärbt sich der Bildschirm braun-rot, kurz bevor Max das Zeitliche zu segnen droht. Dann bleiben uns wenige Augenblicke, um den Todesschützen ausfindig zu machen und zu exekutieren. Schaffen wir dies, erhalten wir einen Gesundheitsbonus und sind dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen. Das klingt weit dramatischer, als es tatsächlich ist, das Gameplay ist durchweg stark actionlastig und gescriptete Ereignisse, die entfernt an CoD erinnern, untermauern diesen Eindruck. Dramatik und Tragik finden darum durch die Zwischensequenzen Einlass – und die können sich sehen lassen.

Max Payne 3 muss man eines lassen: Es ist grafisch wunderschön inszeniert. Es ist sogar ein Augenschmaus, den betrunkenen Max beim Durch-Die-Wohnung-Schwanken zuzusehen, er hat stets einen unverwechselbaren Stil inne, die Farben passen, die Atmosphäre ist hervorragend. Nur die Sprüche nicht. Payne ist nicht erst seit gestern ein unverbesserlicher Sprücheklopfer, auch in seiner dritten Geschichte ändert sich dieser Charakterzug nicht, wenngleich in jedem Satz spürbare Melancholie und Galgenhumor mitfließt. Leider lässt sich Rockstar dazu hinreißen, ihm – vor allem im späteren Spielverlauf – dauernd irgendwelches Zeug in den Mund zu legen, was irgendwie witzig, zynisch oder so sein soll. Bis es nervt. Auch seine persönliche Entwicklung ist nicht immer nachvollziehbar, beispielsweise wird schon am Anfang eine kurze Szene gezeigt, in der wir einen glatzköpfigen Max Payne sehen und tatsächlich kommen irgendwann seine Haare ab. Weshalb dies notwendig zu sein scheint, wird nicht zufriedenstellend geklärt, zumal die charakterliche Entwicklung des Protagonisten nicht tiefgehend genug ist. Dabei bieten sich unzählige Chancen, insbesondere in Anbetracht seiner Vergangenheit und seines vermeintlichen Neustarts in Brasilien und auch technisch wie initiatorisch sind die Voraussetzungen gegeben. Schließlich stimmt alles: Die Grafiken, die Dialoge, die Sprach- und Soundausgabe. Warum da nicht mehr aus Max machen als nur einen schmerzmittelabhängigen Säufer, der Waffen bei sich trägt und irgendwie immer in der Scheiße sitzt?

Fazit:
Wer und was ist also Max Payne? Max Payne ist ein ziemlich trauriger Wicht, Max Payne ist der Ewig-In-Der-Scheiße-Sitzende, Max Payne ist es wert, gelebt zu werden. Virtuell. Sicherlich: Der dritte Teil hat seine Schwächen und nutzt so manche Möglichkeit nicht aus, dennoch fühlt er sich weitestgehend so an, wie die alten Teile, nur eben ein bisschen… anders. Er ist in erster Linie ein Actiontitel, in dem geschossen wird, der kurzweilig und unterhaltsam ist, der aber leider nicht so viel Story hat, wie er hat haben können. Summa summarum: Bestenfalls die Erwartungen ein wenig herunterschrauben und dann (trotzdem) anspielen!

Wertung: 73%




Kommentare (3)


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Kein Userbild
19.05.12 - 08:52
Hi, habe das Game soeben angespielt! Es ist der Hammer. Für alle die das Game noch nicht gespielt haben. Ich sage Euch 10 von 10 Punktne dafür!! Kauft es uch unbedingt! LG, Brian

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Filmfreak
17.05.12 - 17:59
Ich hingegen habe das Projekt von Anfang an verfolgt und besitze noch immer großes Interesse an diesem 3. Abenteuer für meine PS3, jedoch nur die Uncut-PEGI-Variante. Finde es mehr als lächerlich, dass man bei der deutschen Variante die Passanten nicht umnieten kann (einziger Schnitt dabei) Der Multiplayer soll (wie man überall liest) sich auch noch sehen lassen können, da hat Rockstar wohl ganze Arbeit geleistet.

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Seth0487
17.05.12 - 17:04
Schade. Ich habe ewig auf diese Fortsetzung gewartet und nun kein Interesse mehr daran.

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