Special-Review: Ghost Recon: Future Soldier (Multi)

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Technischer Fortschritt geht nirgendwo spurlos vorbei – nicht an der Gesellschaft, nicht an der Medizin, nicht an der Automobilbranche und schon gar nicht am Militär. Während die Bewaffnung verbessert wird, wird die Ausrüstung des Soldaten spezifischer und sein Einsatz präziser. Ghost Recon: Future Soldier zeigt, wie moderne Kriegsführung aussieht und aussehen könnte, vor allem aber: Wie sie sich aus Sicht des Kriegers anfühlt.

Gespenster, die schützen und strafen



GC-Shooter waren schon immer eine Besonderheit unter den Ballerspielen. Da ging es nicht darum, blindlings nach vorne zu preschen und umzunieten, was nach Feind aussah, vielmehr sollten wir unsere Kräfte überdenken und vorsichtig einsetzen. Future Soldier ist da freilich nicht anders – Freizeit-Cowboys, die keine Gesetze und Regel kennen, sind zum Scheitern verurteilt. Denn: Präzision, Geduld und Vernunft sind das A und O, um Missionen erfolgreich zum Ende zu bringen. Das gilt auch in den brenzligsten Situationen, etwa ganz am Anfang, als wir bewaffnete Rebellen ausschalten, ihren Lastwagen begutachten und feststellen müssen, dass darin eine Bombe tickt. Da bringt Vorsichtigkeit zwar nicht mehr so viel und wir müssen um unser Leben rennen; immerhin haben wir uns dem Truck jedoch mit größtmöglicher Vernunft genähert und haben nicht wie wild herumgeballert. Schließlich hätten unsere Kugeln Zivilisten verletzen oder töten können – beides ist tunlichst zu vermeiden. Die Ghosts, die Gespenster, halten sich an strenge militärische und moralische Vorgaben, geschossen wird nur, wenn geschossen werden muss. Im Idealfall sind sie das, was Geister eben sind: unsichtbar.

Als Elitesoldat verschlägt es uns unter anderem nach Afrika, wo unser so genanntes Ghost-Squad vielleicht mehr noch als anderswo Gefahr läuft, entdeckt zu werden. Schwerbewaffnete Männer in Kampfmontur fallen eben auf wie bunte Hunde, deshalb gilt es, verschiedene Technologien und Taktiken zu nutzen, um dem entgegenzuwirken. Unser Ziel ist zunächst das Finden eines weltweit operierenden Drogenbarons, der zudem seit kurzem ins Waffengeschäft eingestiegen ist und eine große Nummer zu werden droht. Der versteckt sich zwischen Flüchtlingslager, die von gewaltbereiten Milizen bewacht werden. Und die sind selbstredend nicht besonders gut auf US-Soldaten zu sprechen. Problematisch kommt die hohe Anzahl an Zivilisten hinzu, die so ein Lager nun mal impliziert. Keine Guten Umstände also für eine verdeckte Operation, dennoch ist es von höchster Priorität, unentdeckt zu bleiben.

Stealth-Modus, Ducken, Kriechen, Schießen



Future Soldier kombiniert zahlreiche operative Herangehensweisen aus anderen Titeln. Die Third-Person-Ansicht, mit der wir unseren Protagonisten steuern, erinnert mich stellenweise und insbesondere durch die „Stealth“-Komponente an Splinter Cell. Wenn wir nämlich in Tarnuniform durch die Wüste schleichen, die bedrohlich groß wirkende Waffe in den Händen, den Blick geradeaus und den Funkspruch im Ohr, der Stealth-Mode sei nun aktiviert, komme zumindest ich nicht umhin, mich an den guten alten Sam Fisher zu erinnern. Das ist keineswegs als negativer Kritikpunkt zu verstehen, im Gegenteil: Ein Abbild des einsamen Wolfs Fisher mit vier seinesgleichen nach Afrika zu schicken und sie als Geister agieren zu lassen, hat was. Und: Es funktioniert hervorragend! Denn wir haben nicht nur den sich automatisch einschaltenden Unsichtbarkeits-Modus, der uns transparent macht und damit zeigt, wie sichtbar wir für Feinde sind. Wir haben auch eine Magnet-Spezialansicht, die unsere Umgebung in feines Blau taucht und metallische Gegenstände wie Gewehre oder Fahrzeuge hervorhebt. Gegner wie Zivilisten lassen sich dadurch auch im Dunkeln oder während eines Sandsturmes erkennen. Den Überblick können wir jedoch auch durch Signal-Adapter(?) erhalten, die wir – ähnlich wie Handgranaten – ins Geschehen werfen und mittels derer wir Menschen erkennen, die sich in der Nähe aufhalten. Dumm: Selbst wenn wir das Ding mitten in eine Miliz werfen, merken die davon nix.

Neben den technologischen Spielereien warten natürlich auch klassische Kampfmittel auf euch. Pistolen, Maschinengewehre, Flinten, Granaten, Zusätze wie Schalldämpfer oder Zielfernrohr sind obligatorisch und helfen im Kampfeinsatz ungemein weiter. Was die eigene Ausrüstung unwahrscheinlich effektiv macht ist, dass wir unsere Teamkameraden anweisen können, Synchronschüsse abzufeuern. Habt ihr beispielsweise drei Gegner von euch könnt ihr sie markieren und schließlich zum Abschuss freigeben, wodurch eure Kameraden sie gleichzeitig ausschalten. Ein wichtiges Element ist das bei der Geiselrettung oder da, wo ihr andernfalls mit einem Alarm rechnen müsstet. Ansonsten könnt ihr euch auch an Feinde heranschleichen und sie ohne zu schießen liquidieren, aber Achtung: Auch Timing spielt eine Rolle. Wird eine Leiche gefunden, wird in der Regel der Alarm ausgelöst und das kann gut und gerne das vorzeitige Ende der Mission bedeuten. So vielfältig die Dinge sind, die ihr unterlassen sollt, so vielfältig sind auch eure Aufgabenstellungen: Mal dürft ihr jemanden verfolgen und observieren, mal jemanden ausfindig machen und verhaften, mal jemanden finden und töten, mal auch einfach nur etwas oder eine bestimmte Person beschützen. Dadurch bleibt das Gameplay abwechslungsreich und in unterschiedlicher Weise herausfordernd. Technisch läuft Future Soldier rund: Die Grafiken sind hübsch anzusehen, nur selten waren Popups zu beobachten.

Fazit:
Ghost Recon: Future Soldier ist noch immer ein Shooter für Geistreiche (hehe, was für ein Wortspiel!): Da wird nicht unvorsichtig durch Szenarien gerannt und auf alles geschossen, was sich bewegt, da ist es oberste Priorität, unbeobachtet und präzise zu operieren. Das ist eine konstante Herausforderung, die durch die unterschiedlichen Missionsaufgaben ideal abgerundet wird.

Wertung: 86%

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