Hosted by World4YouDonnerstag, 15. November 2018


Special-Review: Der Fall John Yesterday (PC)

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Hinter dem Hamburger Publisher Crimson Cow stecken Adventures wie The Book Of Unwritten Tales und A Vampyre Story. Beides Titel, die vielleicht nicht für einen generellen Umschwung des Abenteuergenres sorgten, aber immerhin einiges von sich Reden machten. Nun ist ihr neuester Streich auf dem Markt, nämlich Der Fall John Yesterday, der vom gleichnamigen jungen Mann handelt, der unter Gedächtnisverlust leidet und sich plötzlich inmitten einer gefährlichen Untergrundorganisation wiederfindet. Eine Verschwörung ist im Gange und er scheint der Schlüssel zu sein. Was ist passiert? Woran kann er sich nicht erinnern? Und: Was wird als nächstes geschehen? Was ist hier eigentlich los?

Brennende Obdachlose

Wer sich an nichts erinnern kann, der stellt immer eine Gefahr dar – schließlich weiß er nicht, wer er ist und ermöglicht reichliche Interpretationsmöglichkeiten. John könnte alles Mögliche sein. Ein Krimineller. Ein Gangster. Ein Verschwörer. Oder ein kluger Nerd, nach dem er mit seiner Hornbrille auch aussieht. Egal. Bevor er wichtig wird, spielen wir im Prolog Henry, der mit seinem Kommilitone Cooper Obdachlose vor einem Serienkiller warnen und ihnen Unterstützung zusichern möchte. Leider wird er verschüttet und bald schon mit einem geheimnisvollen Anführer konfrontiert, der geradezu militärische und theatralische Reden vor seiner Armee aus Puppen schwingt. Er stellt uns vor Aufgaben, so müssen wir im Schach bestehen, um unsere Intelligenz unter Beweis zu stellen. Später sind wir dann wieder ganz allein unterwegs, dürfen Gegenstände miteinander kombinieren, um eingefallene Mauern beiseite zu räumen oder Schlösser zu knacken. Die Rolle des Henry ist endlich, denn Der Fall John Yesterday wechselt sowohl in der zeitlichen als auch in der persönlichen Perspektive – je nach Handlungsabschnitt schlüpfen wir in die Haut jemandes anderen und erfahren dennoch immer das, was wir wissen müssen, gleichsam jedoch nicht mehr als nötig.

Freilich ist ein solches Gameplay – ebenso wie der Umstand mit dem Gedächtnisverlust – nicht innovativ. Funktionierend schon. Denn das Adventure ruht sich nicht darauf aus, sondern baut seine Geschichte weiter aus, hat spannende und kaum vorhersehbare Wendungen, die insbesondere durch die Figuren leben. Die Synchronisation ist klasse, wenngleich nicht immer lippensynchron. Und auch die Comic-Grafik ergänzt widererwarten die doch recht düstere Story, in der es um beim lebendigen Leibe verbrannte Obdachlose geht, um Verschwörungen, um Geheimnisse und die Suche nach Identität. Rätsel nehmen einen großen Stellenwert ein, wirken manchmal neuartig, manchmal langweilig, manchmal durchschaubar und manchmal knackig – die (anti)christlichen Spielereien und der angehauchte Sektenkult machen zwar Sinn, zeugen jedoch nicht von besonderer Kreativität.

Fazit:
Der Fall John Yesterday ist unbedingt einen Blick wert – nicht weil er viele Innovationen bereithält, sondern weil seine Erzählweise spannend und die Handlung voller überraschender Wendungen ist. Sein comicartiger Auftritt gibt der düsteren, verschwörerischen Geschichte einen abstrakten Unterton und wirkt auf ganzer Linie interessant.

Wertung: 79%

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