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Special-Review: Prototype 2 (PS3/Xbox 360)

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Ist wohl scheiße gelaufen für James Heller. Zurückgekehrt aus seinem Einsatz als Soldat muss er feststellen, dass seine Gattin und sein Kind nicht mehr am Leben sind, dass New York vom tödlichen Mercer-Virus infiziert worden ist und die Chancen schlecht stehen. Er trifft auf Mercer, den Erschaffer der Krankheit, und zögert freilich nicht, ihm die Hölle heiß zu machen. Leider ist er ihm gnadenlos unterlegen, wobei… „gnadenlos“ stimmt nicht: Statt James zu töten, infiziert Mercer ihn lediglich, wodurch er seinem Kontrahenten einen Teil seiner Kräfte schenkt und sich einen Todfeind erschafft. Ein Logikfehler? Sicher. Jedoch erklärt Mercer, eigentlich mit dem nach ihm benannten Virus nichts zu tun zu haben. Er sei Opfer des Militärs. Wie glaubwürdig ist er?

Alles beim Alten
Prototype 2 schließt unmittelbar an die Geschichte seines Vorgängers an – wer diesen nicht gespielt hat oder sich nicht mehr so recht erinnern kann, kann sich über das Menü eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse ansehen. Klar ist: Mercer war einst der Held von PS, ist nun jedoch verantwortlich für den Virus, der die Metropole befallen hat und vor niemandem Halt macht. New York ist inzwischen in drei Zonen, die rote, die gelbe sowie die grüne, wobei die Bewohner erstgenannter die größten Probleme haben. Wir beginnen in der Gelben, in der wir ersten mutierten Menschen, Monstern, begegnen, die uns zwar angreifen, denen wir allerdings noch gewachsen sind. Folglich haben wir hinreichend Ruhe, um die Stadt zu erkunden – und das buchstäblich! James beherrscht eine Art übermenschliches Parkour, kann über alle Gegenstände hüpfen, Wände hochklettern, von Hausdächern springen und durch Lüfte gleiten. Ein herrlich praktischer Spaß, der aufgrund der dadurch sehr flüssigen und schnellen Spielgeschwindigkeit seinen Reiz nie verliert. Ein wenig anders sieht es hinsichtlich der dauernden Konfrontation mit den Infizierten aus – die ständig zu verprügeln und über den Jordan zu jagen ist langfristig monoton, im roten Gebiet manchmal auch frustrierend, weil sie so verdammt stark und viele sind. Abwechslung bieten da Nebenmissionen, in denen ihr Pakete aufsammeln oder Höhlen säubern müsst, wodurch ihr neben Erfahrungspunkten auch Boni sammelt, die euch Stärke oder Schnelligkeit verleihen. Die Abwechslung ist hierbei – ebenso wie in der Story – ambivalent: Einerseits sind die Quests „mal was anderes“, andererseits wiederholen sie sich.

Die Aufgaben innerhalb der Handlung schieben eine ganz ähnliche Schwierigkeit vor sich her. Meist müsst ihr jemanden finden oder exekutieren; nur das Wie ändert sich mit zunehmendem Spielverlauf. Dann nämlich erhält der Protagonist bessere Waffen, Klingen an den Armen, ist fähig, mehr als nur mit einem Feind gleichzeitig zu kämpfen und wird eben selbst mehr und mehr zu einem Menschen, der sich aufgrund seiner Fähigkeiten weit abseits des Menschendaseins bewegt. Letztlich läuft der Stärkezuwachs darauf hinaus, dass das Spielgefühl schneller wird – man jagt über die Dächer, erledigt seine Feinde in wenigen Augenblicken und so hält Kurzweile Einzug, die dem Spiel gut tut. Um seine hinzugewonnenen Kräfte verwenden und behalten zu können, benötigt James so genannte Biomasse, die er aus jeder x-beliebigen Person absorbieren kann. Einzige Bedingung: Er darf nicht bemerkt werden, wenn er sich ihr nähert. Sprich: Sobald Soldaten in der Nähe sind, funktioniert das nicht und ihr müsst entweder warten, bis diese außer Reichweite sind oder sie erledigen. Werdet ihr von ihnen bemerkt, habt ihr zunächst ein Problem, das sich jedoch einfach lösen lässt: Ihr könnt euer Äußeres wechseln (was selbstverständlich nur Sinn macht, wenn ihr dabei nicht gesehen werdet) und euch somit z.B. den Soldaten entziehen, aber auch bestimmte Bereiche betreten, die sonst verschlossen blieben. Ansonsten ist es aufgrund brachialer Gewaltanwendung eh egal, ob ihr bemerkt werdet oder nicht – P2 jongliert schließlich mit Brutalität, ohne nun allzu sehr zu übertreiben. Blut ist eher ein erzwungener Nebeneffekt – wenn man jemanden tötet, passiert das eben. Aber auch nicht immer: Kämpft ihr gegen beispielsweise gegen Helikopter, bleibt die rote Flüssigkeit freilich aus. Grafisch ist Prototype 2 nicht auf dem neuesten Stand, viele Texturen sind unscharf, kantig und bedürfen dringend einer Überholung. Nett anzusehen sind die technisch nicht viel besser aussehenden Zwischensequenzen – weil es da meist kracht und scheppert und man kurzzeitig das Gefühl hat, vor einem Actionfilm zu sitzen.

Fazit:
Prototype 2 ist in erster Linie ein Actiontitel, der sich nicht darum müht, große Inhalte zu transportieren. Die durchaus interessante Geschichte weist hier und da Logikfehler auf, ist aber dennoch schlüssig genug, um innerhalb des vom Virus infizierten New York halbwegs sinnvoll stattfinden zu können. Eigentlich ist das alles ohnehin egal, geht es doch um den Kampf gegen Mercer, um den Kampf gegen den Virus, gegen Monster, Soldaten, Helikopter – und all das ist dank der Spielgeschwindigkeit trotz monotoner Aufgabenstellungen rasant genug, um kurzweilig zu wirken. Also: P2 ist ambivalent, wird nicht jedem gefallen, aber ein Spielchen durchaus wert.

Wertung: 71%


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